Fallstudie 01, B2B-Software, 5. August 2026

In ChatGPT unsichtbar, weil das CDN blockte.

Rankings stabil, in generativen Antworten kein einziges Mal genannt. Die Ursache lag in einer Bot-Schutzregel, die niemand mehr auf dem Radar hatte.

Kurzfassung

Ein Softwareanbieter mit stabilen Google-Rankings wurde in ChatGPT und Perplexity nie als Anbieter genannt. Ursache war eine Bot-Schutzregel im CDN: OAI-SearchBot und PerplexityBot erhielten durchgehend Statuscode 403, während Googlebot über die Liste verifizierter Bots ausgenommen war. Die klassische Suche funktionierte deshalb weiter, die KI-Systeme sahen die Website gar nicht.

Ausgangslage

Ein Anbieter von Branchensoftware, rund 60 Mitarbeitende, stabile Positionen für die eigenen Kernbegriffe. In Kundengesprächen häufte sich eine Rückmeldung: Wer in ChatGPT oder Perplexity nach Anbietern dieser Softwarekategorie fragte, bekam zwei kleinere Wettbewerber genannt, nie das eigene Unternehmen. Die Vermutung im Haus war ein Content-Problem.

Diagnose

Schritt 1: Serverlogs nach KI-Crawlern filtern

Der erste Blick ging nicht auf die Inhalte, sondern in die Zugriffsprotokolle. Gefiltert wurde nach den relevanten User-Agents, und dabei nicht auf die Anzahl der Abrufe, sondern auf die Statuscodes:

grep -Ei 'GPTBot|OAI-SearchBot|ChatGPT-User|PerplexityBot|ClaudeBot' access.log \
  | awk '{print $9}' | sort | uniq -c | sort -rn

Das Ergebnis war eindeutig: mehrere Tausend Abrufe pro Monat, davon der überwiegende Teil mit Statuscode 403. Die Crawler kamen also, wurden aber abgewiesen. Für Googlebot lag der Anteil erfolgreicher Abrufe bei praktisch 100 Prozent.

Schritt 2: Den Abruf nachstellen

Zur Bestätigung wurde ein Abruf mit dem entsprechenden User-Agent nachgestellt und mit einem normalen Browser-Aufruf verglichen:

curl -sS -o /dev/null -w '%{http_code}\n' \
  -A 'Mozilla/5.0 (compatible; OAI-SearchBot/1.0; +https://openai.com/searchbot)' \
  https://www.beispiel.ch/produkte/

Antwort: 403. Mit gewöhnlichem Browser-User-Agent: 200.

Schritt 3: Ursache im CDN finden

Die robots.txt war unauffällig, ein noindex gab es nicht. Fündig wurden wir in der Firewall-Konfiguration des CDN: eine Bot-Management-Regel, Jahre zuvor gegen Scraping eingerichtet, blockierte alles, was nicht auf der Liste verifizierter Suchmaschinen-Bots stand. Googlebot und Bingbot standen darauf, die KI-Crawler nicht. Eingerichtet hatte die Regel die IT, dokumentiert war sie nirgends, und im Marketing wusste niemand davon.

Weitere Befunde

  • Die Produktseiten lieferten Preismodell und Funktionsumfang erst nach JavaScript-Ausführung. Im HTML-Quelltext stand an dieser Stelle nichts.
  • Der Firmenname erschien je Seitentyp in drei Schreibweisen: einmal mit Rechtsform, einmal ohne, einmal als Kürzel.
  • Es gab kein Organization-Markup, dafür ein verwaistes Produkt-Markup mit einem Preis, der seit zwei Jahren nicht mehr galt.

Umgesetzte Massnahmen

  1. Suchbezogene KI-Crawler freigeben. In der Firewall eine Ausnahme für OAI-SearchBot, ChatGPT-User und PerplexityBot, verifiziert über die von den Anbietern veröffentlichten IP-Bereiche und nicht nur über den User-Agent-String. Die reinen Trainings-Crawler wurden separat entschieden und bewusst zugelassen.
  2. robots.txt explizit machen. Nicht weil eine Sperre bestand, sondern damit die Entscheidung dokumentiert ist und beim nächsten Relaunch nicht versehentlich kippt:
    User-agent: OAI-SearchBot
    Allow: /
    
    User-agent: PerplexityBot
    Allow: /
  3. Kernaussagen serverseitig ausliefern. Preismodell, Funktionsumfang und Systemanforderungen wandern ins initiale HTML. Der Test dafür ist banal: Quelltext ohne JavaScript ansehen und prüfen, ob die Aussage darin steht.
  4. Eine Schreibweise, überall. Firmenname vereinheitlicht, Organization- und Product-Markup neu aufgebaut, mit stabilen Identifikatoren und ohne Widerspruch zum sichtbaren Text. Das veraltete Preis-Markup wurde entfernt.
  5. Antwort zuerst. Auf jeder Seite, die eine Frage behandelt, steht die Antwort in zwei bis drei Sätzen oben, die Begründung darunter. Das ist die Form, die als Passage entnommen werden kann.
  6. Monitoring aufgesetzt. Wöchentliche Auswertung der Bot-Statuscodes aus den Logs, dazu ein Frageset aus dem Markt, das monatlich in ChatGPT, Perplexity und Copilot abgefragt und protokolliert wird.

Woran die Wirkung gemessen wird

KennzahlQuelleVorher dokumentiert
Anteil erfolgreicher Abrufe je KI-CrawlerServerlogsja
Anteil der Antworten mit Nennung, je SystemFrageset, protokolliertja
Korrektheit der Aussagen zu Produkt und PreisFrageset, protokolliertja
Sitzungen aus KI-OberflächenAnalytics, eigenes Segmentja

Alle vier Werte wurden vor dem ersten Eingriff festgehalten. Ohne diesen Ausgangswert wäre später keine Aussage über Wirkung möglich gewesen.

Woran Sie erkennen, ob Sie dasselbe Problem haben

  • Die Google-Rankings sind in Ordnung, in KI-Antworten kommen Sie trotzdem nie vor
  • In den Logs stehen Zugriffe von KI-Crawlern mit 403, 401 oder 429
  • Sie nutzen ein CDN mit Bot-Management, und niemand im Haus kennt die Regeln im Detail
  • Ein Abruf per curl mit KI-User-Agent liefert einen anderen Statuscode als der Browser
  • Kernaussagen Ihrer Angebotsseiten stehen nicht im HTML-Quelltext

Die ersten beiden Punkte prüfen Sie in einer halben Stunde selbst. Wenn dort etwas auffällt, ist der Rest der Analyse Fleissarbeit.

Fragen zu diesem Fall

Die Formulierungen, in denen dieses Problem in Gesprächen und in Suchsystemen auftaucht.

Wie prüfe ich, ob KI-Crawler meine Website abrufen können?

Filtern Sie die Serverlogs nach den User-Agents GPTBot, OAI-SearchBot, ChatGPT-User, PerplexityBot und ClaudeBot und schauen Sie auf die Statuscodes, nicht auf die Anzahl. Alles ausser 200 und 304 ist ein Befund. Zusätzlich einen Abruf mit curl -A und dem entsprechenden User-Agent nachstellen und mit einem Browser-Aufruf vergleichen.

Warum sind unsere Google-Rankings gut, aber ChatGPT nennt uns nicht?

Weil beide Systeme unterschiedliche Wege zu Ihren Inhalten nehmen. Googlebot steht auf der Liste verifizierter Bots, die praktisch jede Firewall und jedes CDN durchlässt. Die suchbezogenen KI-Crawler stehen dort oft nicht. Eine Bot-Schutzregel kann deshalb die eine Sichtbarkeit intakt lassen und die andere vollständig verhindern.

Blockieren CDN- und Firewall-Dienste KI-Crawler standardmässig?

Das hängt von der Konfiguration ab, und genau darin liegt das Problem. Mehrere Anbieter haben inzwischen Voreinstellungen oder Schalter, die KI-Crawler blockieren, teils aktiv gesetzt, teils in einem Bot-Management-Regelwerk enthalten. Verlassen Sie sich nicht auf die Annahme, sondern prüfen Sie die Regeln und die Logs.

Reicht es, den Zugriff in der robots.txt zu erlauben?

Nein. Die robots.txt ist eine Bitte an gutwillige Crawler, über den tatsächlichen Zugriff entscheiden Firewall und CDN. Wenn dort eine Regel mit 403 antwortet, hilft ein Allow nichts. Umgekehrt gilt: beide Ebenen müssen dieselbe Entscheidung abbilden, sonst widersprechen sie sich.

Soll man Trainings-Crawler wie GPTBot zulassen?

Das ist eine Abwägung und keine technische Frage. Wer in Antworten vorkommen will, sollte die suchbezogenen Crawler zulassen. Bei den reinen Trainings-Crawlern entscheidet, welchen Wert die eigenen Inhalte als Trainingsmaterial haben und ob man das möchte. Wichtig ist, dass die Entscheidung dokumentiert ist und einen Verantwortlichen hat.

Denselben Check für Ihre Website, mit Ihren Logs und Ihrem Frageset.

Ein Audit dauert zwei bis drei Wochen und endet mit einer priorisierten Liste, die Ihr Team abarbeiten kann.