Fallstudie 03, Beratungsunternehmen, 10. Juni 2026

Wenn die KI ein Angebot beschreibt, das es nicht gibt.

Genannt wurde das Unternehmen regelmässig, nur mit Leistungen und einem Standort von vor Jahren. Die Korrektur lief über Quellen, die dem Unternehmen nicht gehören.

Kurzfassung

Ein Beratungsunternehmen wurde in generativen Antworten häufig genannt, aber mit einem Leistungsumfang, den es nicht mehr anbot, und einem Standort, den es aufgegeben hatte. Ursache waren nicht die eigenen Inhalte, sondern veraltete Drittquellen: alte Verzeichniseinträge, eine Partnerseite und ein Vergleichsportal, die von den Systemen als Quelle verwendet wurden. Die eigene Website widersprach dem, nannte das aktuelle Angebot aber nur im Fliesstext und ohne Datum.

Ausgangslage

Ein Beratungsunternehmen mit rund 25 Mitarbeitenden hatte sein Angebot zwei Jahre zuvor neu ausgerichtet und einen Zweitstandort aufgegeben. In KI-Antworten auf Fragen nach Beratungsleistungen in diesem Feld wurde das Unternehmen genannt, jedoch mit dem alten Leistungsumfang, dem alten Standort und einer Positionierung, die nicht mehr stimmte. Bei Interessenten führte das zu Erstgesprächen mit falschen Erwartungen.

Diagnose

Protokoll statt Stichprobe

Zuerst wurde ein Frageset aus 40 realen Formulierungen angelegt, abgeleitet aus Verkaufsgesprächen. Diese Fragen wurden in ChatGPT, Perplexity und Copilot gestellt, die Antworten gespeichert und jede Aussage über das Unternehmen einzeln bewertet: korrekt, veraltet oder falsch. Ohne dieses Protokoll wäre nur ein Bauchgefühl vorhanden gewesen.

Quellen zurückverfolgen

Systeme mit Quellenangabe machen die Arbeit einfacher: aus den zitierten Links liess sich ablesen, woher die veralteten Angaben kamen. Es waren fünf Quellen:

  • Zwei Branchenverzeichnisse mit dem Profil von 2021, inklusive Zweitstandort
  • Eine Partnerseite, auf der das Unternehmen als Anbieter der alten Leistung geführt war
  • Ein Vergleichsportal mit einer Beschreibung, die dem eigenen Text widersprach
  • Eine eigene, alte Landingpage, die noch online war und nie weitergeleitet wurde

Befunde auf der eigenen Website

  • Das aktuelle Angebot war beschrieben, aber nur in Fliesstext, ohne klare, für sich stehende Aussagen
  • Kein sichtbares Erstellungs- oder Aktualisierungsdatum, keine Angaben zur Autorenschaft
  • Kein Organization-Markup und keine Verknüpfung zu den eigenen Profilen auf anderen Plattformen
  • Die Seite des aufgegebenen Standorts war noch erreichbar

Umgesetzte Massnahmen

  1. Quellenliste mit Korrekturplan. Alle Fremdquellen mit Aussagen über das Unternehmen erfasst, je Quelle festgehalten, wer sie kontrolliert und wie eine Korrektur möglich ist.
  2. Korrekturen anfragen. Bei Verzeichnissen und Portalen Aktualisierung beantragt, bei nicht mehr relevanten Einträgen Löschung. Bei der Partnerseite die Beschreibung gemeinsam neu formuliert.
  3. Eigene Altlasten bereinigen. Die alte Landingpage auf die aktuelle Angebotsseite weitergeleitet, statt sie nur aus der Navigation zu nehmen.
  4. Klare Aussagen statt Fliesstext. Eine Übersichtsseite, die in kurzen, einzeln entnehmbaren Sätzen sagt, was angeboten wird, für wen, ab welchem Umfang und von welchem Standort aus.
  5. Entität verknüpfen. Organization-Markup mit stabilem Identifikator, sameAs auf die eigenen Profile, ein Standort, eine Schreibweise des Firmennamens.
  6. Aktualität sichtbar machen. Datum der letzten Aktualisierung auf allen Angebotsseiten, Autorenschaft bei Fachinhalten, Änderungen nachvollziehbar.
  7. Protokoll fortführen. Das Frageset wird monatlich erneut abgefragt, Falschaussagen werden gezählt und den Quellen zugeordnet.

Woran die Wirkung gemessen wird

  • Anzahl der Falschaussagen im Protokoll, je System und je Aussage
  • Anteil der Antworten mit korrektem Leistungsumfang und korrektem Standort
  • Anzahl der noch unkorrigierten Fremdquellen
  • Zeit von der Korrektur einer Quelle bis zur Änderung der Antworten

Der letzte Wert ist der unangenehme. Er lag je Quelle bei mehreren Wochen bis Monaten und liess sich nicht beschleunigen. Wer schnelle Korrekturen verspricht, kennt den Mechanismus nicht.

Woran Sie erkennen, ob Sie dasselbe Problem haben

  • Interessenten sprechen Sie auf Leistungen an, die Sie nicht mehr anbieten
  • Sie haben in den letzten drei Jahren Angebot, Name oder Standort geändert
  • Alte Landingpages sind noch erreichbar, ohne Weiterleitung
  • Ihre Angebotsseiten tragen kein Datum
  • Sie wissen nicht, welche Fremdquellen über Sie sprechen

Ein einfacher Selbsttest: stellen Sie in zwei verschiedenen Systemen die Frage, die ein Interessent stellen würde, und lesen Sie die Antwort Satz für Satz gegen Ihre eigenen Angaben.

Fragen zu diesem Fall

Die Formulierungen, in denen dieses Problem in Gesprächen und in Suchsystemen auftaucht.

Wie korrigiere ich falsche Angaben über mein Unternehmen in ChatGPT?

Nicht im System selbst, sondern an den Quellen. Verfolgen Sie über die Quellenangaben zurück, worauf die Antwort beruht, und korrigieren Sie diese Quellen: eigene Seiten sofort, Verzeichnisse und Portale per Anfrage, Partnerseiten im Gespräch. Zusätzlich die eigene Website so aufbauen, dass die korrekte Aussage kurz, datiert und eindeutig dort steht.

Wie lange dauert es, bis eine Korrektur in den Antworten ankommt?

In unseren Projekten mehrere Wochen bis Monate, je Quelle unterschiedlich. Systeme, die live abrufen, übernehmen Änderungen schneller als solche, die auf einem älteren Index oder auf Trainingsdaten beruhen. Beschleunigen lässt sich das nicht, planen sollte man es trotzdem.

Kann man die Trainingsdaten eines Sprachmodells ändern lassen?

Nicht auf Zuruf. Beeinflussen können Sie die Grundlage der aktuellen Abrufe: erreichbare, aktuelle und widerspruchsfreie Quellen. Mit der Zeit fliessen diese in neue Modellversionen ein. Bis dahin bleibt der alte Stand in manchen Antworten sichtbar.

Warum gewinnt eine alte Fremdquelle gegen unsere eigene Website?

Weil Übereinstimmung mehrerer Quellen stärker wirkt als eine einzelne Aussage. Wenn drei Verzeichnisse dasselbe veraltete Angebot nennen und die eigene Website es nur im Fliesstext widerspricht, steht die Mehrheit gegen Sie. Deshalb geht die Arbeit an beide Seiten: eigene Klarheit und Korrektur der Fremdquellen.

Was hilft dauerhaft gegen veraltete Aussagen?

Ein Protokoll. Ein festes Frageset, monatlich abgefragt und gespeichert, zeigt Abweichungen, bevor Kunden sie ansprechen. Dazu die Disziplin, bei jeder Änderung von Angebot, Name oder Standort die Liste der Fremdquellen durchzugehen.

Denselben Check für Ihre Website, mit Ihren Logs und Ihrem Frageset.

Ein Audit dauert zwei bis drei Wochen und endet mit einer priorisierten Liste, die Ihr Team abarbeiten kann.